Was ist Salsa "Puertorican Style"?

Alles rund um Salsa-Stile, Tanz-Technik, Ausdruck. Figuren und Lernmethoden.

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mr.hyde
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Was ist Salsa "Puertorican Style"?

Beitrag von mr.hyde » Mo Sep 25, 2006 9:04 am

Im Urlaub habe ich einige Leute aus dem Süddeutschen Raum / Schweiz getroffen, die über den bei ihnen angesagten "Puertorican Style" erzählten.

Scheint auch auf Linie zu sein nd den Erzählungen nach eher dem LA-Style nahe zu sein als dem Kubanischen.

Weiß jemand mehr :?:

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Stephan
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Beitrag von Stephan » Mo Sep 25, 2006 3:40 pm

Da machst Du ein ganz großes Fass auf.
Zusammenfassung all meiner gesammelten Erfahrungen: Niemand kann sagen was genau Salsa Puerto Rican Style ist !

Ich hab mich lange mit Rene von SalsaHH unterhalten und auch er hat es in seiner über 10jährigen Laufbahn als Salsalehrer nicht in Erfahrung bringen können.

Auf dem Hamburger Festival hat Felipe Polanco als Puertorikaner "Salsa Puertoricena" unterrichtet. Ich habe ihn gebeten vor dem Kurs allen bitte zu erklären was Salsa Puertoricena denn nun ist.

Seine Ausführungen:
- Salsa Puerto Rican Style ist Salsatanzen wie es in Puerto Rico getanzt wird.
- Musik ist das Wichtigste: Ja nachdem was sie hergibt mal auf 1, mal auf 2, mal auf Clave. Er selber unterrichtet Footwork auf Clave.
- Er sagt immer: Als Salsatänzer muss man die Musik fühlen. Genauso wie die Latinos.
- Auf Puerto Rico nennt man es nie Salsa Puerto Rican Style. Das ist ein Begriff, der nur außerhalb als Werbung verwendet wird.
- Ob es Paarweise nun auf Linie oder im Kreis getanzt wird... Keine Ahnung!

Wenn Jemand mehr weiß, dann bitte hier posten!

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Stephan
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Beitrag von Stephan » Sa Jul 07, 2007 9:23 am

Habe vor einiger Zeit einen Newsletter von Bailadetto aus Zürich bekommen (Lautaro und Candice). Sie haben einen Puerto Rican Style Kurs angeboten und da ich die beiden von Workshops her kenne und Sie einen guten und detailierten Unterricht gemacht haben, habe ich sofort eine lange Mail an die beiden geschckt und wollte wieder mal wissen was Salsa Puerto Rican Style sein soll.

Das war vor einem Monat und bis heute hab ich keine Antwort bekommen... :?

Das sagt doch einiges!

Inzwischen reime ich es mir so zusammen: Salsa hat sehr starke Einflüsse aus Puerto Rico. Jetzt gibt es Salsa Cuban Style, Salsa NY-Style, Salsa LA Style, aber für die Puerto Ricaner ist irgendwie nichts übrig geblieben. Wenn dann ein Puerto Ricaner Salsa unterrichtet, dann wird er es nicht Salsa Cubana, LA-Style etc. nennen, sondern Salsa Puertoricena auch wenn mal im Kreis und mal Crossbody unterrichtet wird.

Wenn ich falsch liegen sollte, dann unbedingt hier Aufklärung leisten!

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Otfried
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Beitrag von Otfried » Sa Jul 07, 2007 2:07 pm

Hallo Stephan,

was du schreibst ist aus meiner Sicht ein bisschen richtig und ein bisschen falsch.

Die Puerto Riquenos sind sehr stolz, und fühlen sich gemeinhin gegenüber den Kubanern etwas wenig gewürdigt, was ihren Einfluss auf die Salsamusik betrifft. Neben den hervorragenden Bands mit ihrem durchaus eigenen Stil stammt daher sicher auch das Bedürfnis, einen eigenen Stil des Tanzens in der Welt zu sehen.

Wenn du aber schreibst: Wenn dann ein Puerto Ricaner Salsa unterrichtet, dann wird er es nicht Salsa Cubana, LA-Style etc. nennen, sondern Salsa Puertoricena auch wenn mal im Kreis und mal Crossbody unterrichtet wird.

dann muss ich da mal widersprechen. Salsa tanzen auf mal im Kreis und mal Crossbody zu reduzieren ist ein kleines bisschen zu wenig. Schaut man sich Puerto Ricaner beim Tanzen an, so wird man schon feststellen, dass sie sich einfach anders bewegen als Kubaner, und auch anders bewegen als andere Latinos, oder gar Europäer. Noch viel deutlicher wird das vermutlich, wenn man als Frau mit einem Puerto Riqueno tanzt. Es ist ein ganz anderes Führen, ein ganz anderes Feeling. Das jedenfalls hab ich als Rückmeldung von meiner langjährigen Tanzlehrerin erhalten.

Ob man das nun als eigenen Stil, eine eigene Schule oder was auch immer verkaufen muss sei mal dahingestellt. Auch hier in Bremen gibt es ja durchaus Tendenzen, dass Schulen sich inhaltlich und namentlich voneinander abgrenzen, um Schüler anzusprechen.

Letztlich ist Salsa immer etwas ganz Individuelles, aber auch stark vom kulturellen Hintergrund der Region geprägt. So wird bspw. in Callao (Peru) wieder ganz anders getanzt, ohne dass man gleich einen Stil Salsa de Callao kreiert (wer weiss, vielleicht eine Marktlücke).

Saludos,
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Stephan
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Beitrag von Stephan » Mo Jul 09, 2007 1:06 pm

Ich kann Dir bei allem zustimmen. Leider benutzt auch Du beim beschreiben von Puerto Rican Style schwammige Begriffe.
Es ist ein ganz anderes Führen, ein ganz anderes Feeling.
Die Frage ist "Was ist anders?"

Es ist auch ein anderes Feeling, wenn man Salsa Cubana oder Crossbody Style tanzt. Es ist ein anders Feeling, wenn man auf 1 oder auf 2 tanzt. Es ist ein anderes Feeling, wenn ich auf einer stumpfen oder glatten Tanzfläche tanze. Letzendlich ist es mit jedem Partner ein anderes Feeling!

Aber bei allen Unterscheidungen der Stilrichtungen kann ich genau angeben was unterschiedlich ist!

Was macht den Unterschied von Salsa Puerto Rican Style zu Salsa Cubana oder Salsa Crossbody Style?

Wenn der einzige Unterschied der ist, dass es ein Puerto Ricaner tanzt oder unterrichtet, dann macht es überhaupt keinen Sinn diesem einen eigenen Namen bzw. Stilrichtung zu geben. Das würde bedeuten, dass ich Salsa German Style unterrichte wie jeder andere Deutsche??? Außerdem würde es bedeuten, dass kein Deutscher jemals Salsa Puertoricena tanzen könnte, es sei denn er wechselt die Staatsbürgerschaft und wird zum Puertoricaner....

Ich finde es sehr wichtig zu betonen, dass die Puertoricaner einen sehr großen und wichtigen Einfluss auf Salsa als Musik und Tanz gehabt haben und es ist auch nicht ganz fair, dass immer die Kubaner auf Platz 1 stehen, wenn es um Salsa geht. Wer ohne Salsaerfahrung weiß schon, dass es überhaupt Salsa Crossbody Style gibt.

Salsa ist und bleibt immer das Ergebnis von einer multikulturellen und internationalen Zusammenarbeit und dies erzähle ich jede Woche bei unserer kostenlosen Schnupperstunde seit über 2 Jahren immer wieder!

Dennoch bin ich in den letzten 5 Jahren der Antwort nach der Frage "Was Salsa Puerto Rican Style sein soll?" nicht ein Stück näher gekommen!

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Otfried
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Beitrag von Otfried » Di Jul 10, 2007 11:13 am

Hallo Stephan,

so richtig ausführlich kann ich dir da leider nicht mehr antworten, das würde den Rahmen dieses Forums, und meiner Zeit deutlich sprengen.

In aller Kürze:
Nicht Alles, was es in der Musik gibt lässt sich präzise in Worte fassen, und das trifft eben auch auf das Tanzen zu, wie vermutlich auf Alles, was mit Gefühlen zu tun hat.

Ein wunderschönes Beispiel ist, dass Musiker sich seit Generationen darüber streiten, was groove ist. Jeder (oder sagen wir fast jeder) spürt, wenn es groovt, oder nicht groovt, aber keiner kann genau sagen, woran es liegt, was man tun muss, damit es groovt.

Wie ich schon sagte, Salsa ist nach meinem Dafürhalten etwas sehr Individuelles, aber in seinem größeren Zusammenhang geprägt durch die Kultur in der man aufwächst. Vor dem Hintergrund tanzen wir alle "Salsa Deutschland Stil", und ich kenne tatsächlich keinen einzigen Deutschen, der wirklich wie ein Kubaner tanzen würde.

Auf die Beschreibung des Technischen reduziert, ist vermutlich kein (mir jedenfalls nicht bekannter) Unterschied zwischen Puerto Rico Stil und anderen Stilen, sei es im Kreis oder auf Linie, wie du das sagst. Vielleicht ließe sich noch mehr analysieren, wenn man die Schritte genau untersucht, die Zeitpunkte, die Handhaltung ... aber wofür sollte das gut sein ?

Salsa ist einfach mehr als das Zusammenfügen von technischen Anweisungen.

In mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es keine Tanzschulen, in denen man lernt. Man wächst einfach in einem Umfeld auf, in dem das Tanzen auf jeglicher Festivität dazu gehört. Tanzen ist etwas Gemeinsames, von Allen sehr ähnlich Empfundenes, ein Spiegel der Mentalität der Menschen. Und als Solcher bildet sich in einem kulturellen und sozialen Umfeld eine bestimmte Art heraus, zu Leben, zu Fühlen, zu Lieben, zu Tanzen.

Uns gefällt diese Art, und wir wollen auch etwas in dieser Richtung für uns haben, also annektieren wir etwas davon, aber prompt auf unsere Art, indem wir Tanzschulen aufmachen, Kurse geben von F1-F9, Festivals veranstalten, gar Meisterschaften austragen, Tanzsport betreiben. Mit dem, was es ursprünglich ist, hat das alles wenig zu tun (Das schweift zwar ab, ich muss es an der Stelle aber mal sagen).

Wenn du wirklich wissen willst, was Puerto Rico Style ist, dann gibt es nur eine Möglichkeit: Begebe dich unter Puerto Ricaner, teile ihr Leben, ihre Sorgen, ihr Glück. Dann bekommst du eine Ahnung davon, wie sich Salsa de Puerto Rico anfühlt. Vermutlich wirst du dann auch nicht mehr fragen, was "genau" der Unterschied ist.

Saludos,
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Stephan
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Beitrag von Stephan » Di Jul 10, 2007 11:48 am

Und wieder kann ich Dir in allem voll zustimmen!

Es gibt zwischen uns nur eine kleine unterschiedliche Perspektive. Für Dich ist der Salsa-Tanz eine von vielen Ausprägungen einer großen und umfassenden Kultur. Ich denke, diese Kultur ist für Dich der zentrale Aspekt.

Als ich mit Salsa angefangen habe, wollte ich nie teilhaben an einer anderen Kultur. Ich wollte nie das Urlaubsgefühl einer vergangenen Reise wiederholen oder den Tanz lernen, um noch mehr über eine Kultur zu erfahren.

Ich habe die Salsa-Musik von Anfang an geliebt. Ich habe es genossen, mich zur Musik zu bewegen, den Tänzern nur einfach zuzuschauen und mit meiner Partnerin gemeinsam zu tanzen. Die kulturellen Aspekte sind dann nach und nach auch dazu gekommen, aber standen für mich nie im Mittelpunkt. Und auch heute noch ist der Salsa als Tanz für mich das Wichtigste. Und deshalb unterrichte ich auch Salsa!

Und dann macht es auch Sinn, Salsa Tanzkurse anzubieten. Denn der Tanz soll weiterleben und sich weiterentwickeln.

Wenn man z.B. Salsa Puerto Rican Style eher als Ausdruck Puerto Ricanischer Lebenseinstellung mit allem an Fraude und Sorgen ansieht, dann finde ich auch, dass man statt einem Tanzkurs, eher einen Deutsch-Puertoricanischen Kulturverein benötigt, in dem dann natürlich auch getantzt wird, aber eben der Tanz nicht der zentrale Aspekt ist.

So passt dann auch alles zusammen, wenn z.B. Felipe Polanco sagt, dass Salsa puertoricena nur ein kommerzieller Begriff ist: Es geht eben nicht um eine technisch andere Art Salsa zu tanzen, sondern darum mit dem Land "Puerto Rico" neue Tanzschüler zu gewinnen.

Und dann macht es auch nicht viel Sinn auf einer Party zu sagen, dass man Salsa Puerto Rican Style tanzt, denn es sagt dem Gegenüber nichts darüber, ob man Crossbody oder Cuban tanzt, ob auf 1 oder 2. Aber das wären für mich wichtige Infos, um miteinander tanzen zu können.

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Beitrag von Otfried » Di Jul 10, 2007 12:48 pm

Nur noch eine kleine Anmerkung:

Schau dir an, was unter meinen postings steht. Das ist für mich Salsa!

Salsa auf den Tanz zu beschränken ist ok, es führt zum Tanzsport, zu deutschen Meisterschaften, Shows, Dips and Tricks, Vierfachdrehungen. Das sind die Weiterentwicklungen.

Edit:
Bevor das in den falschen Hals gerät, muss ich das doch noch etwas ergänzen. Natürlich soll jede(r) Vergnügen an und mit Salsa haben, wie er/sie gerne möchte. Es ist leider aber so, dass ich mich mit meinem Gefühl für Salsa in einigen neueren Entwicklungen der Salsa community nicht mehr so richtig wiederfinde.

Saludos,
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Stephan
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Beitrag von Stephan » Mi Jun 24, 2009 12:40 pm

Ansicht von Leon Rose zu Salsa Puerto Rican Style:

Ich hatte dieses Wochenende auf den Tanztagen ein längeres Gespräch mit Leon Rose und hab ihn auch nach Salsa Puerto Rican Style gefragt. Er sagt, dass es in Europa gleichbedeutet ist mit Crossbody Style. Meist auf 1 unterrichtet.

In Puerto Rico wird nach seiner Aussage aber auch oft auf 2 nach vorne für den Mann getanzt wie beim Palladium Style (= Mambo Classico).

Gringuito
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Puerto Rican Style

Beitrag von Gringuito » Do Jun 06, 2013 7:51 am

Hier bei uns in Essen/Wuppertal/Düsseldorf unterrichtete Francesco Battigaglia Ende der 90er Jahre "Mambo-Salsa Puerto-Rican Style" und "New York Style". Er unterrichtet jetzt auch L.A. Style..., was hier die Linien-Salsa überprägt.

Diskussionen und Beobachtungen hier an Latinos Ende der 90er ergaben, dass die "Puerto Rican"-Tänzer "mehr aus dem Bauch heraus" nicht genau auf 1,2,3 (bei 4 sogenannte "Pause", die ja keine ist - im Körper!) die Schritte setzten, sondern 1+2+3 etwas länger als ein Viertel des Taktes verschliffen, wodurch die 4 etwas kürzer geriet. Das hing aber auch etwas vom Stil der Salsamusik ab, zu der getanzt wurde.

Keiner spricht hier noch großartig von "L.A.Style", auch "New York-Style" sagt hier den Newcomers nichts. So ist das...

Hier bei Salsa Oldenburg in den Blogs geht es auch um "aggressive Style", "City Style"...

Hier im Ruhrgebiet wohl nicht benutzt, aber:

Gibt es das wirklich?
Hat das nicht mehr mit dem "Charakter", der "Persönlichkeit" der einzelnen Tänzerinnen zu tun?

Dann noch meine Beobachtungen in der NRW-Szene, aber auch Avignon, Katalonien (Roses):
Viele "Stile" hängen je Region von den "vorherrschenden" TanzlehrerInnen ab, natürlich kommen Workshops bei Kongressen und Youtube dazu.

Was mir immer wieder seit 1997 tanzend und beobachtend auffällt:

1. Viele, eher anfängerhafte männliche Tänzer, versuchen recht unversiert die Showelemente nachzutanzen, z.B. alles am langen Arm! Dazu werden selbst die Grundschritte gar nicht mehr sauber gesetzt, nur angebliche "Stylereien" - demonstratives Stehenbleibe, an die Seite "schleichen", nach hinten aus technischem Unvermögen keinen Schritt mehr, nur ein "Abstützen" mit Ballen usw.

2. Ein Aha-Erlebnis hatte ich beim Anschauen der Video-Clips vergangener Düsseldorfer Salsa Workshop Days (Tanzschule Dresen), die ich ohne Ton ansah, um meine Kinder nicht zu wecken. Bei den Workshop Days wurde auch neben Salsa Tango, Standard-Latein, Disco-Fox (mit Hustle- und West Coast-Swing-Elementen) unterrichtet.
Und da sah ich ein Paar mit etwas komischen "Salsa-Figuren"...,
die (laut gestellt) gar nicht Salsa tanzten und auch gar nicht zu Salsa-Musik:

Das waren West Coast Swing-Tänzerinnen, die genau so "untänzerisch" show-orientiert, Rückwärtsschritte nicht wirklich tanzten, sondern abstützten. Ich habe das mal bei Youtube für die kalifornische Szene weiter untersucht. Und meine (nur meine Meinung!), da gab es einen Einfluss der WCS-Tänzer auf die Entstehung der L.A.-Style-Szene um die Vázquez-Brüder und deren Umfeld in der Showtruppenszene:

Salsa Brava Dance Company: Instructional Video, Vol. 1: Patterns and Solo/Shines, Intermediate/Advanced. (Salsa Brava Co.: Founded by Luis & Joby Vázquez)

3. Es gibt immer wieder Einflüsse, so berichtete schon der Augenzeuge der Entstehung von Salsa-Musik (unter dem Namen) und Salsa-Tanz in New York in den 70er Jahren, Calvo Ospina, in seinem Buch "Salsa" (Schmetterling Verlag), dass da ein vom International Hustle zugewechselter Tänzer sehr viele Figuren in die Salsa eingebracht hätte - Figuren, die es z.T. gleich oder ähnlich in Jive, Discofox usw. gibt, z.B. "Stop and go", "He goes, she goes".

Inzwischen behaupten viele Salsa-Tänzerinnen, sie tanzten "Ochos" wie im Tango Argentino (oder auch Vals Criollo und Milonga) - Was ich meist sehe, könnte man allenfalls als "Crossing Forward" oder "Crossing over" bezeichnen.

Trotz kritischer Ansicht zu manchen "Adaptionen" freu ich mich jedenfalls schon, dass sehr viel Kreativität und Individualität aufs Parkett kommt, unbeschadet vom "Style", "gutes Tanzen" ist für mich einfach nur "gutes tänzerisches Interpretieren der Musik" ("aggressives", pointiertes Tanzen zu "aggressiver", pointierter, akzentuierter Musik, "smooth dancing" zu "smooth Music" etc.);

und - V O R A L L E M

Paarharmonie vor Figurenzirkus.

Und das war das Anliegen der Puerto Rican Latino-Tänzer (s.o.) -

mit Gefühl tanzen, zur Musik, rund tanzen, nicht linear über alles und quadratisch (Vergleiche afrikanische Rundhäuser aus Naturmaterialien zu europäischen Quadrat- und Linien-Architekturen aus genormten Kunstmaterialien).

Gott sei Dank aber ... hat der ADTV Salsa & Co. noch nicht wie vorher Bolero (als "Rumba") und Chachachá ins Quadrat gezwängt mit codifizierten Techniken, Figuren, Sequenzen.

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Stephan
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Beitrag von Stephan » Do Jun 06, 2013 1:59 pm

Hallo Gringuito und herzlich Willkommen im Forum bei uns!

Vielen Dank für Deinen großartigen und so ausführlichen Beitrag zu dem Thema. Und wie auch schon Otfried muss ich Dir in allem zustimmen.

Das Thema hier ist ja schon ein Paar Jahre alt 2007 begonnen und der letzte Beitrag vor Deinem von 2009. Damals hab ich fast nur Salsa L.A.-Style unterrichtet, hab aber selbst auch gerne "auf 2" getanzt und auch gerne Salsa Cubana und Rueda.

Heute unterrichte ich nur noch Salsa Cubana/Rueda und bin noch viel mehr in die großartige und vielfältige Welt der afro-kubanischen Tänze eingetraucht. U.a. durch so großartige Festivals wie UniDanza in Hamburg. Jetzt unterrichte ich in Salsakursen sogar Afro-Isolation und versuche meinen Schülern die Ideen der afrikanischen Tänze näher zu bringen, um ihren Salsa Cubana Tanz auch wirklich kubanisch aussehen zu lassen und sie zu erden.

So gerne ich auch heute noch Salsa Crossbody Style tanze, ein Freund von Doppelspins und Showfiguren war ich nie! Ich kann Deine Kritik an Leuten, die nicht mal den Takt halten können, aber schon 3 Hebefiguren können, sehr, sehr gut nachvollziehen!

Jetzt wo ich mich mehr mit Salsa Cubana auseinander setzte und auch all die anderen wundervollen afrokubanischen Tänze kennenlerne, geht mir das Herz auf! Es ist eine unglaublich, vielseitige, bunte und auch tänzerisch sehr anspruchsvolle Welt! Es ist schön zu sehen, wenn ein Kubaner z.B. im Salsa Cubana etwas Guaguanco einbaut und man es erkennt und auch die Hintergründe dieses Rumba Cubana Stils kennt.

Ich bin jetzt etwas von Thema Puerto Rican Style abgeschweift, aber dass sich seit 2007 hier im Forum Niemand gefunden hat, der diesen Stil technisch gesehen genau erklären konnte sagt schon einiges.

Auch bei Salsa L.A.-Style /New York Style spreche ich inzwischen lieber von Crossbody Style "auf 1" / "auf 2", denn für mich charakterisiert dies diese Salsa Stile besser. Die Tanz-Technik steht mehr im Vordergrund als die kulturelle Geschichte wie bei afro-kubanischen Tänzen.

Ich danke Dir noch mal ganz herzlich für Deinen schönen Beitrag!

Lieben Gruß,
Stephan

heiditanzt
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Re: Was ist Salsa "Puertorican Style"?

Beitrag von heiditanzt » Do Jan 09, 2014 12:00 pm

Also ich denke manchmal, gewisse Workshops denken sich einfach neue Styles aus und nennen sie dann puertorican Style oder ähnlich. Vielleicht haben die auch einfach nen puertorikanischen Lehrer und wollten, dass ihr Kurs interessanter klingt. Natürlich gibt es etablierte Styles, wenn man aber erst lang und breit recherchieren muss, bin ich immer skeptisch ob der genannte Style tatsächlich so existiert.

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Re: Was ist Salsa "Puertorican Style"?

Beitrag von Stephan » Do Jan 09, 2014 4:56 pm

Hallo Heidi,

ja stimmt. Das seh ich genauso. Alles was man in den vorherigen Posts lesen kann führt letzdenlich nicht zu einer konkreten Antwort. Deshalb benutzen wir bei Salsa Oldenburg den Begriff Salsa Puerto Rican Style auch gar nicht.

Elenori
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Re: Was ist Salsa "Puertorican Style"?

Beitrag von Elenori » So Mai 10, 2015 12:22 am

Danke für die herrlichen Erklärungen. Ich war in diesem Themenbereich ein völliger Frischling.

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